Kurt trainiert seine Sinne
Rechtschreibfehler oder
Wahrnehmungsfehler?
Wahrnehmungsfehler sind etwas ganz anderes als Rechtschreibfehler. Es besteht ein großer Unterschied zwischen diesen beiden Fehlerarten. Den Unterschied zu erkennen, ist für das legasthene Kind sehr wichtig, damit das betroffene Kind richtig eingeschätzt werden kann.
Rechtschreibfehler:
- Es besteht eine Unkenntnis des Wortes und mangelndes
Regelwissen.
- Schwierige Wörter werden häufiger falsch geschrieben als
leichtere.
- In einem Text werden dieselben Wörter zumeist auch
gleich geschrieben (vile Blumen / vile Kinder).
- Diese Fehler lassen sich nicht in Kategorien einteilen, da
sie keine unterschiedliche Fehlersymptomatik aufweisen.
- Ein gezieltes Training an den Fehlern wird die Fehlerzahl
mindern.
- Eine Verbesserung des Regelwissens gibt Sicherheit
und mindert die Anzahl der Fehler.
Wahrnehmungsfehler:
- Durch differente Sinneswahrnehmungen des
Legasthenikers entstehen Wahrnehmungsfehler, wenn
gelesen oder geschrieben wird. Die andere
Wahrnehmung, die schwankende Aufmerksamkeit und die
damit verbundene teilweise Unruhe lässt
Wahrnehmungsfehler entstehen.
- Wahrnehmungsfehler entstehen durch ein Defizit in der
Aufnahme, Verarbeitung und Wiedergabe von
Sinneseindrücken im Bereich des Sehens, Hörens oder
der Raumwahrnehmung.
- Das Denken und Handeln findet nicht gleichzeitig statt.
- Wörter, die dem Betroffenen bekannt sind, werden falsch
geschrieben.
- Es kann sogar vorkommen, dass ein Wort in einem Text
mehrmals unterschiedlich geschrieben wird (viele, vile, file).
- Wahrnehmungsfehler entstehen demnach nicht durch
mangelndes Üben.
- Schwierige Wörter werden meist richtig geschrieben.
Fehlerkategorien bei
Wahrnehmungsfehlern:
- Auslassen von Buchstaben oder Lauten
( Klsse anstatt Klasse)
- Hinzufügen von Buchstaben oder Lauten
(Kugele anstatt Kugel))
- Umstellen von Buchstaben oder Lauten
(veilleicht anstatt vielleicht)
- Auslassungen von ganzen Wörtern in Sätzen
- fehlende Wahrnehmungstrennschärfe bei Buchstaben
(t/f, m/n, a/o, n/r, h/k, l/i)
- Wahrnehmungsrichtungsfehler
(b/d/p/q, ie/ei, die/dei, Z/N, W/M, d/g, b/g)
- Anlaut- , Auslaut- und Mittellautverwechslungen
- Verwechslung klanggleicher Laute
(ä/e, äu/eu, ai/ei, f/v, d/t, g/k)
- Verdopplungsfehler
- Dehnungs- und Schärfungsfehler
- Fehler bei der Groß- und Kleinschreibung
Wahrnehmungsfehler beim Lesen:
- nicht-Erfassen von Wörtergrenzen im Text
- nicht-Erkennen von Satzzeichen
- das Auslassen von Zeilen
- geringes Lesetempo
- mangelnde Betonung beim Lesen
- stockendes Lesen
Verena Borchardt
Zertifizierte Legasthenietrainerin ® des EÖDL
